Die Burnout-Ratlosigkeit

 

Über Burnout wurde in den letzten Jahren so viel geschrieben, dass man meinen müsste, nun wissen alle Bescheid.

 

Burnout ist angeblich "salonfähig" geworden, seit sich Berühmtheiten wie Sven Hannawald, Peter Plate, Miriam Meckel oder Tim Mälzer zu einem Burnout bekannt haben. Burnout, so hieß es lange Zeit sogar, sei die "Krankheit der Fleißigen".

 

Also kann mit dem Thema Burnout ganz offen und "normal" umgegangen werden.

  • Oder?

 


Die Realität sieht leider so aus:

  • Da gibt es zum Beispiel den potentiellen Interessenten für meinen Bildungsurlaub "Mit Taijiquan Burnout vorbeugen", der sich aber nicht anmeldet, da er befürchtet, dass seine Vorgesetzte einen solchen Antrag als Anzeichen dafür deutet, dass ihm die Arbeit über den Kopf wächst und er nicht mehr so belastbar ist.
  • Oder diejenige, die den Bildungsurlaub besucht hat und nun von ihren Arbeitskollegen misstrauisch beobachtet wird, ob die Leistungskraft noch auf hohem Niveau ist und bleibt.
  • Da gibt es den Arbeitgeber, der gerne den 2. oder 3.  Computer-Bildungsurlaub unterstützt, aber das Thema "Gesundheit" und "Burnout-Prävention" als "Privatangelegenheit" abtut.
  • Und nein! Das sind keine Einzelfälle! So oder ähnlich sieht es an der Basis aus.

Burnout ist ganz und gar nicht salonfähig geworden. Betroffene haben es nach wie vor schwer, sich zu "outen". Und über das Thema Burnout wird so widersprüchlich diskutiert, dass leicht der Eindruck entsteht, jeder spricht hier von etwas Anderem.

Die Presse tut ihr Eigenes dazu: wir lesen solche Überschriften wie:

"Burnout gibt es gar nicht", "Burnout ist out", "Chillen statt Burnout" oder gar "Nachruf auf die Modekrankheit Burnout".

 

Wie soll man da noch durchblicken? Gibt es Burnout also gar nicht?

 

Klar ist: nicht jede Überforderung ist ein Burnout. Wir können durchaus mehrere Wochen Überstunden machen, uns Tag und Nacht begeistert in ein Projekt stürzen oder bei aller Arbeit im Büro zusätzlich zu Hause eine zeitlang einen Angehörigen pflegen. Dass wir irgendwann erste Anzeichen einer Erschöpfung zeigen, ist in einer solchen Phase durchaus normal. Doch nach einigen Wochen bereits von einem Burnout zu sprechen, wäre falsch und verfrüht.

Meinen wir in jeder Stresssituation schon einen Burnout zu haben, werden wir der wahren Burnout-Erschöpfung, die am Ende eines langen Leidenswegs steht, nicht gerecht. Nur daher kommt es meines Erachtens, dass Vorgesetzte und Kollegen skeptisch reagieren, wenn von Burnout die Rede ist. Hier bedarf es dringend Aufklärung.

 

Burnout ist kein statischer Zustand - der Weg in eine totale Burnout-Erschöpfung ist ein langer. Es ist ein Weg mit Höhen und Tiefen, mit Geraden und mit Kehren. Wir können auf diesem Weg noch lange umkehren und der totalen Erschöpfung entgehen. Kehren wir früh genug um, so ist Regeneration, Entspannung, Bewegung ... ein guter Weg nicht in den Burnout zu rutschen.

  • Aber irgendwann reicht es nicht mehr, "nur" zu entspannen!

Dann wird für das Umkehren dringend Hilfe notwendig: eine Beratung, ein Coaching, eine Psychotherapie oder ein Klinikaufenthalt.

 

Jeder, der über Burnout unwissend oder gar abfällig spricht ("Ach, der nimmt wohl seinen Burnout") sollte wissen, dass am Ende eines Burnout-Weges Gedanken an Suizid kommen.

  • Und dann ist Burnout nicht mehr out, sondern lebensgefährlich!

In meinen Bildungsurlauben gehen wir alle Phasen einer Burnout-Entwicklung gewissenhaft durch. Mein Ziel ist es, dass jedem/r Teilnehmer/in bewusst wird, nicht jede Überforderung ist ein Burnout - aber eine Burnout-Erschöpfung ist lebensgefährlich. Viele Teilnehmer/innen erkennen so, wo sie gerade stehen und was nach der Bildungswoche für sie wichtig ist.

 

So werde ich also meinen Titel nicht ändern und das Wort "Burnout" herausstreichen - ich finde nach wie vor ist das Thema Burnout ein wichtiges Thema - und wer heute einen Mitmenschen kritisch anschaut, weil er/sie einen Bildungsurlaub zur Burnout-Prävention besucht, kann morgen selbst betroffen sein. - Deshalb lieber nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern selbst aktiv werden.

Zudem können die Erkenntnisse dieser Bildungswoche den Blick schärfen auf das nähere Umfeld - auf den Partner/die Partnerin, auf Freunde und Kollegen. Außenstehende erkennen oft viel schneller als Betroffene, wo der Weg hingeht und können beim Umkehren eine Hilfe sein.

 

Warum nun Taijiquan eine Überforderung vorbeugen kann, können Sie im nächsten Blogartikel lesen.

 

Bleiben Sie in Balance :-)

wünscht Ihnen Annette Bernjus

 

 

 

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