Taijiquan zur Vorbeugung von Überforderung und Burnout

Taijiquan ist eine chinesische Kampfkunst. Ich bin – als Taijiquan-Lehrerin – natürlich von dieser Bewegungskunst überzeugt und habe in meinen Seminaren festgestellt, wie effektiv Taijiquan Menschen darin unterstützt, ihren Alltag wieder in ein Gleichgewicht zu bringen bzw. die Balance zu wahren.

 

Taijiquan ist nicht nur Bewegung, was an sich schon positiv auf die Stressreaktion unseres Körpers wirkt, sondern es geht noch viel tiefer. Es ist ein umfassendes System, was u.a. auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin zur Anwendung kommt.

 


Taijiquan in stürmischen Zeiten


Taijiquan unterstützt dich darin, auch in stürmischen Zeiten die Bodenhaftung nicht zu verlieren und immer „in deiner Mitte“ zu bleiben. Das darf jedoch nicht mit Starrheit oder gar Sturheit verwechselt werden. Denn obwohl „fest verankert in der Erde“, bleiben Taijiquan-Praktizierende immer nach oben hin leicht und flexibel. Dadurch können sie mit dem Wind oder sogar Sturm des Lebens gehen, ohne aus der Erde gerissen zu werden. Eine wunderbare Übung hierzu ist der „Baum im Wind“. Dabei nehmen wir zuerst den Taiji-Stand (auch Bärenstand oder Qigong-Stand) ein. Wir stehen hüftbreit mit beiden Füßen auf dem Boden. Unsere Gelenke sind locker und niemals eingerastet. Nach einiger Zeit kann uns das Bild helfen, dass uns aus unseren Fußsohlen Wurzeln in die Erde wachsen, die uns halten. Ein wundervolles Bild – insbesondere, wenn wir draußen zwischen Bäumen üben. Denn dann können wir uns zudem vorstellen, dass sich unsere Wurzeln mit den Wurzeln der umliegenden Bäume vernetzen.

 

Nachdem wir so einen stabilen Stand haben, beginnen wir nach oben hin, den Wind wahrzunehmen, und sogar den Sturm (wenn keiner da ist, machen wir das mental). Wir bewegen unseren Oberkörper und unsere Arme mit dem Sturm hin und her, nach allen Richtungen. Da können wir uns richtig austoben. Beide Füße bleiben immer gut am Boden und heben nicht ab. Doch dann – nach beliebiger Zeit – wird der (imaginäre) Sturm wieder ruhiger bis es nur noch ein laues Lüftchen ist, und schließlich völlig verschwindet. Wir werden wieder ganz still und kehren zurück in unseren Taiji-Stand. Am Ende lassen wir noch unsere Wurzeln sich wieder zurückziehen in unsere Fußsohlen.

 

Besonders wichtig ist hier, dass wir aus der Ruhe in die Bewegung gehen und wieder zurück in die Ruhe kommen.

 

Das ist eine meiner absoluten Lieblingsübungen. Denn je nachdem, wie es mir gerade geht, ist die stürmische Phase etwas wilder oder etwas lauer. Es gibt dabei kein richtig und kein falsch. Meine Seminarteilnehmer/innen können nichts verkehrt machen – alleine diese Ansage ist so wertvoll, da sie so entlastend ist.

 

Diese Übung sorgt zudem dafür, dass die Teilnehmer/innen lernen ihre Bedürfnisse zu erkennen und wahrzunehmen – und ganz wichtig danach zu handeln. Wenn ich als Kursleiterin vorne stehe und wild mit meinen Armen durch die Luft wedele, weil mir gerade danach ist, können doch alle anderen, die Übung ganz ruhig angehen lassen. Anfangs richten sie ihren Blick schon auf mich, doch mit der Zeit werden die Bewegungen zu ihren Bewegungen. Und das ist für mich immer ein großartiger Moment.

 

Denn reden kann ich ja viel, doch wenn ich sehe, dass das Gesagte auch ankommt, freue ich mich natürlich.

 


Aufrecht durchs Leben gehen


Taijiquan üben heißt auch, dass man mit der Zeit – fast automatisch - seine Haltung verbessert. Und eine „bessere“ Haltung heißt im Taijiquan, eine aufgerichtete Haltung. Man geht also „aufrecht durchs Leben“. Für mich ist ein Taijiquan-Unterricht nur dann sinnvoll, wenn das in der Übungsstunde Praktizierte auch in den Alltag wirkt. Es nutzt nicht viel, wenn man nur im Taijiquan-Unterricht die Prinzipien des Taijiquans beachtet und dann im Alltag wieder vergisst – bis zur nächsten Woche. Die Prinzipien des Taijiquans kann ich im Alltag immer mehr leben - und das macht diese Bewegungskunst so wertvoll. Lernt man im Unterricht die Aufrichtung, so wird sich das auch in unseren alltäglichen Bewegungen langsam aber sicher durchsetzen.

 

Hat das etwas mit Burnout-Prävention zu tun? Ja, hat es. Menschen, die selbstbewusst - also sich selbst „bewusst“ sind – können mit Überforderungen besser zurechtkommen. Und Menschen mit einer aufrechten Haltung, sind auf dem besten Kurs zu einem selbstbewussten Lebensweg.

 

So das war es für heute … aber es geht noch weiter mit "Taijiquan zur Burnout-Prävention" im nächsten Blogbeitrag.

Bis dahin könnt ihr den „Baum im Wind“ ja ausprobieren. Viel Spaß dabei - und immer locker bleiben :)

 

Eure Annette

 


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Kommentare: 2
  • #1

    Peter Dorczok p.dorczok@web.de (Montag, 28 Mai 2018 13:44)

    1993 hatte ich ein burn out, Meditation und Atemübungen mit und ohne Bewegung haben mir Kraft und innere Ruhe gegeben. LG Peter

  • #2

    Annette (Montag, 04 Juni 2018 23:48)

    Danke Peter, für deinen wertvollen Kommentar - vielleicht hilft er anderen ebenfalls weiter