Gehmeditation


Worte von Thich Nhat Hanh zur Gehmeditation


„Geh-Meditation ist eine Übung, während des Gehens meditativ zu sein. Du kannst friedvoll und glücklich sein, während du übst. Gehe und stelle dir vor, du seist der glücklichste Mensch der Welt. Wenn du das kannst, wird dir Geh-Meditation gelingen. Für diese Meditation musst du kein bestimmtes Ziel vor Augen haben. Daher besteht kein Grund, dich zu beeilen. Das Gehen ist Selbstzweck. Es ist wichtig, dass jeder Schritt, den du tust, dich friedvoll und glücklich stimmt. Jeder Schritt bringt dich dabei ins Jetzt, in den einzigen Moment, in dem du tatsächlich
lebst.
Vermeide es, Sorgen und Ängste in deine Schritte zu geben, sondern gib ihnen Gelassenheit, Glück und Frieden mit.
Es wird dir möglich sein, das zu tun. Triff Vorsorge, dass du es wirklich willst. Wenn Schritte nicht von Glück und Frieden getragen sind, würdest du mit erwachten Augen die Sorgen, die Angst und Beklemmung dessen sehen können, der seine Spuren hinterließ. Lerne es, Schritte zu tun, in denen statt Spuren von Furcht oder
Beklemmung, nur Frieden und Freude enthalten sind.“
(aus dem Buch "Der Geruch von frisch geschnittenem Gras")


Anleitung (formelle Gehmeditation)


• Zu Beginn stehen wir aufmerksam und nehmen unseren Stand wahr - Bodenkontakt, lockere Gelenke, aufgerichtete Körperhaltung . . .
• Wir nehmen den Atem wahr - wie er kommt und geht

• Dann entschließen wir uns bewusst zum Gehen . . .
• Wir nehmen beim Gehen aufmerksam unsere Füße wahr.
• Wir spüren in unsere Fußsohlen, wie sie den Boden berühren, wie sie abrollen und wieder den Boden verlassen.
• Wir spüren die Empfindungen in den Füssen und den Kontakt mit dem Boden, der Erde.
• Wir gehen in einer angemessenen Geschwindigkeit, eher langsamer als wir es gewöhnt sind.


Wir können die Gehmeditation ausweiten auf den Alltag: beim Einkaufen, beim Spazierengehen usw. Damit es uns gelingt im Alltag wirklich achtsam zu gehen, sollten wir hin und wieder die "formelle" Gehmeditation üben und praktizieren.


Nutzen
Vor dem Schlafengehen wird eine kurze Übung in der Geh-Meditation zu einem besseren Schlaf führen.
Wenn wir uns erst einmal in dieser neuen Art zu gehen wohl fühlen, können wir damit anfangen, unseren Atem mit den einzelnen Schritten zu koordinieren. Gehen und atmen im Rhythmus bringt uns den größten Gewinn für unsere Gesundheit.
Ferner verhilft die Praxis der Geh-Meditation auch dazu, während wir uns ganz normal durch unseren Alltag fortbewegen, Achtsamkeit zu entwickeln, was sich wiederum positiv auf die Gesundheit auswirkt. Es wird uns leichter fallen, den Prozess des Gehens von einem Ort zum anderen zu genießen, und wenn wir ankommen, sind wir ruhig und entspannt.
Geh-Meditation unterstützt uns darin, in unserer Praxis geerdet zu bleiben. Falls wir zu traurig, nervös, ärgerlich etc. sind, um die Sitz-Meditation auszuführen, kann uns die Geh-Meditation helfen, wieder ins emotionale Gleichgewicht zu kommen.
(Quelle: "Pagode Phat Hue", Frankfurt)