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Fahrtzeit ab Frankfurt ca. 2 Stunden mit 1 X Umsteigen
Bruchsal hat mich total überrascht. Ich hatte es gar nicht auf meinem "Ausflugsplan". Und begleitete meine Tochter nur zu einem Termin. Dann entdeckte ich Bruchsal. Hier beschreibe ich nur einen kleinen Ausschnitt davon - es gibt mit Sicherheit noch viel mehr zu entdecken. Mit der Bahn erreicht man Bruchsal sehr gut (es gibt einen S-Bahn-Halt direkt am Schloss). Die örtlichen Busverbindungen sind gut getaktet. Bruchsal selbst hat einen kleinen, aber schönen Schlosspark. Mich hat es jedoch eher nach draußen gezogen . . .
Die Hohlwege von Bruchsal
Wandern im "Land der 1000 Hügel" so wird es hier im Kraichgau beworben. Und eine Besonderheit sind dabei die vielen noch gut erhaltenen Hohlwege.
Hohlwege entstehen nicht wie so oft angenommen durch Wassererosion, sondern praktisch ausschließlich durch das intensive Befahren von steilen Wegen mit Fahrzeugen aller Art. Der dabei aufgerissene Löss zerfällt in ein feines Pulver, das bei den nächsten Starkregen aus der Hohle ausgeschwemmt wird. Das Wasser dient dabei aber lediglich als Hilfsmittel zur Erosion und ist nicht Hauptursache (so beschreibt es AGNUS Bruchsal e.V.). Die Erosion erfolgte meist durch das Bremsen der Fahrzeuge auf den steilen Abfahrten.
Bei den Hohlwegen handelte es sich um uralte Ortsverbindungswege. Und noch heute findet man oft direkt neben einem Hohlweg einen "neuen" (Wirtschafts-)weg. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein schnitten sich die Wege bis zu einem Meter im Jahr ein. Heute sind die Wege befestigt und es findet keine weitere Vertiefung mehr statt - insbesondere auch, da die Wege nun nur noch als Wanderwege dienen.
An den Rändern und hohen Wänden der Hohlwege haben sich besondere Pflanzen, kleine Tiere und Insekten (besonders Wildbienen) angesiedelt. Deshalb sind die Wege heute meistens geschützt.
Ich fand den Temperaturunterschied zu den offenen Wegen sehr markant. Das Begehen der Wege mit den hohen Wänden links und rechts war angenehm, auch wenn mich doch die ein oder andere Stechmücke belästigte. Das Klima ist viel feuchter als "draußen".
Meinen Weg könnt ihr auf Komoot sehen (siehe weiter unten bei Infos)- ich habe nämlich am Ende unbedingt noch den frühherbstlichen "Zauberwald" durchschreiten wollen. Und das hat sich wirklich gelohnt.
Auf den kommenden Bildern siehst du, wie besonders die Gegend ist und in den Untertiteln habe ich noch etwas dazugeschrieben.
Das Weingartener Moor
Als ich von diesem Moor las, wusste ich, dass ich mir das auch noch anschauen wollte (wir waren 2 Tage in Bruchsal).
Der Morgen versprach einen richtig schönen "Moor-Tag" - Nebelschwaden hingen über den Wiesen und die Sonne schimmerte schon durch. Also ging es nun auch noch nach Weingarten.
Das Weingartener Moor ist eines der größten Moorgebiete des Oberrheingrabens. Vor 4.000-5.000 Jahren floss der "Kinzig-Murg-Fluss" entlang dem Schwarzwaldrand nach Norden und brach beim heutigen Schwetzingen zum Rhein durch. Das alte Flussbett war mehrere Kilometer breit. Es versumpfte und vermoorte großflächig. Leider blieb davon wenig übrig - das Weingartener Moor ist eines der wenigen Überbleibsel. Es handelt sich um ein Niedermoor mit bis zu 5 m Tiefe. Natürlich wurde es früher intensiv abgetorft - heute ist das restliche Moor mit dem dazugehörigen (Erlen-)bruchwald jedoch geschützt.
Der schönste Teil des Weges ist der Bohlenrundweg (bitte beachte meine Hinweise zum Bohlenweg unten bei Komoot und achte auf gutes Schuhwerk). Ich war ganz allein unterwegs und hatte auch das Beobachtungshäuschen, von wo aus man auf die offene Wasserfläche schauen kann, für mich. Und ich musste den Morgen auch nicht mit irgendwelchen Stechmücken teilen - da hatte ich Glück. Denn diese sollen hier gehäuft vorkommen (ist ja auch klar - also Mückenschutz nicht vergessen).
Am Ende streifte ich noch den Grötzinger Baggersee mit einer schönen Aussicht aufs Wasser (und schönen Bänke, wenn man gerne rasten möchte).
Auch wenn der Weg durch das Moor nicht lang ist, empfehle ich den Spaziergang auf alle Fälle.
Komoot-Weg ab Bahnhof Weingarten siehe unten. Mit der S-Bahn ist man in 10 Minuten von Bruchsal aus in Weingarten.
Und nun gibt es hier natürlich auch noch Bilder:
Der Michaelsberg
Wenn man sich hier aufhält, MUSS man unbedingt auch einmal auf den Michaelsberg. Die Aussicht bis in die Pfalz und in den Odenwald ist grandios. Kein Wunder: mit seinen über 250 Höhenmetern ist er der höchste Punkt am westlichen Rand des Kraichgaus.
Doch der Berg hat noch mehr zu bieten ...
Er ist seit über 6000 Jahre besiedelt.
Die sogenannte „Michelsberger Kultur“ hat von hier ihren Namen (Reste dieser uralten Kultur gibt es auch in meiner Heimat auf dem Hofheimer Kapellenberg). Den berühmten rekonstruierten "Tulpenbecher" kann man auf dem Berg begutachten.
Die Michaelskapelle ist erstmals im 14 Jh. erwähnt worden. Aber wahrscheinlich gab es schon im 6. oder 7. Jh. hier ein Michaelsheiligtum. Die jetzige barocke Kapelle wurde 1742 bis 1744 erbaut. Am 29. September wird auf dem Berg alljährlich das Fest des heiligen Erzengels Michael gefeiert.
Wem es eher um die Natur geht, der wird hier ebenfalls nicht enttäuscht. Bodentemperaturen bis zu 70 Grad Celsius lassen den Michaelsberg zu einem Paradies für seltene Pflanzen und Tiere werden. Besondere Pflanzen dieser mageren und warmen Biotope sollen Küchenschelle, Goldaster, Dolden-Habichtkraut, Kalkaster, Bartgras, Kreuzenzian, Gelber Zahntrost, Schopfige Kreuzblume und heimische Orchideen sein. Meine Zeit war dieses Mal knapp - aber allein diese außergewöhnliche Flora macht ein Wiederkommen mehr als wahrscheinlich.
Genieße die Ausblicke von meinen Bildern aus . . .
Die Stippvisite in Bruchsal und Umgebung war für mich sehr aufschlussreich - hier gibt es tatsächlich "1000 Hügel", es gibt aber auch (Bagger-)seen, Moore, Wiesen und Wälder. Nur 2 Stunden vom Rhein-Main-Gebiet durchaus ideal für einen Tag oder einen mehrtägigen Kurzurlaub.
Tipps und Links:
Das war meine Hohlwege-Wanderung (die man auch gut machen kann, wenn man nur einen Tag in Bruchsal ist)
Diese kleine Wanderung kann man beliebig auch noch rund um den Grötzinger Baggersee erweitern. Grundsätzlich ist die Wanderung nicht schwierig - allerdings sollte man den Bohlenweg wirklich nur mit gutem Schuhwerk betreten und besonders bei Nässe vorsichtig sein. Die Bohlen schwingen übrigens bei jedem Schritt mit - also auch das bedenken. Es ist jedoch herrlich so nah ans Moor zu kommen. Und man kann ja langsam gehen . . .
Als Autofahrer kann man den Parkplatz an der B3 nutzen. Dann sind es noch 10 Minuten bis zum Moor.
Den Michaelsberg muss man unbedingt einmal besuchen und die grandiose Aussicht genießen. Hier beschreibe ich nur den direkten Weg ab Bahnhof Untergrombach (5 Minuten S-Bahn ab Bruchsal). Aber die Wandermöglichkeiten sind unerschöpflich und ich werde sicher einmal wiederkommen (ab Frankfurt nur ca. 2 Stunden Bahnfahrt). Autofahrer können bis zur Michaelskapelle auf den Berg fahren.
