Der Bleibeskopf kommt in Beschreibungen zum Taunus eher selten vor. Ganz vorne steht natürlich der Große Feldberg - und wenn es um die Kelten und Ringwälle geht, dann ist es der Altkönig.
Doch nebendran, ein bisschen kleiner und weniger bekannt, ist der Bleibeskopf (480m), der in der Geschichte eine ebenso wichtige Rolle spielte . . . wenn nicht, sogar eine größere.
Unsere Wanderung zum Bleibeskopf beginnt am Forellengut (siehe Komoot). Und geht recht gemütlich auf den Berg.
Der Obelisk
Doch bevor noch unsere Wanderung richtig beginnt, treffen wir kurz nach dem Forellengut auf einen Obelisken. Wir müssen nur kurz den Hauptweg nach rechts verlassen und ca. 20 Meter nach oben kraxeln, dann stehen wir davor:
Der 1822 am Sangeberg aufgestellte Sandstein-Obelisk war ursprünglich als Denkmal zu Ehren des 50-jährigen Ehejubiläums des Landgrafenpaars Friedrich V. Ludwig und Caroline geplant worden. Erbprinz Friedrich Joseph hatte es beim Frankfurter Stadtbaumeister Johann Friedrich Christian Hess in Auftrag gegeben. Ursprünglich sollte das Monument, das mit einem Flachrelief geschmückt ist, in der Stadt aufgestellt werden. Ich finde hier im Wald hat der Obelisk einen noch viel schöneren Platz.
So, dann wollen wir einmal den Bleibeskopf ersteigen ... weiter geht es immer gut ausgeschildert den Keilerweg entlang.
Nur kurz vom Bleibeskopf muss man links auf die Höhe abbiegen (der Keilerweg umrundet den Bleibeskopf nur).
Warum ich den Bleibeskopf so liebe . . .
Unser Ziel heute ist eine kleine Berühmtheit. Ausgrabungen auf dem Bleibeskopf legen nämlich nahe, dass hier schon 800 v. Chr. die Kelten eine größere Siedlung hatten. Genau genommen war es eine vorkeltische Höhensiedlung der Urnenfelderkultur. Mit Zählzeichen versehene Beinringe, die man hier fand, gehören zu den ältesten Entdeckungen in Europa nördlich der Alpen. Die hier noch heute teils gut zu erkennenden Ringwälle sind die ältesten im Taunus.
Kraftort
Für mich ist der Bleibeskopf ein Kraftort der besonderen Art. Hier oben spürt man den „Geist der Zeit“ und man kann die lange Geschichte des Berges förmlich spüren. Setz dich nieder … und die Zeit bleibt stehen.
Baumlos - auch zu Keltenzeiten
Wie so mancher Gipfel des Taunus mussten in jüngerer Zeit viele Fichten weichen, und der Berg erscheint heute fast kahl. Doch gerade das macht bei mir einen Großteil der Faszination aus. So ähnlich musste es zur Zeit der Kelten hier ebenfalls ausgesehen haben. Denn sie hatten den im Taunus bestehenden Urwald gefällt und die Hänge waren schon damals wohl ziemlich baumlos. Sie brauchten das Holz für ihren Alltag und zum Überleben.
Dass der Berg eine mystische Ausstrahlung hat, kommt allein schon bei dem Namen einer Felsgruppe als „Tum von Lughnasad“ zum Ausdruck. Lughnasad ist im keltischen Jahreskreis das Fest der Schnitterinnen (um den 1. August) – eine wichtige Zeit: nämlich die Sommermitte, die Getreideernte ist in vollem Gange. Eine Zeit der Fülle und Dankbarkeit.
Die Krönung des kleinen Berggipfels ist das begehbare Steinlabyrinth. Spätestens jetzt wird einem die Bedeutung des Berges bewusst.
Ich bin nicht wirklich traurig darum, dass er nicht so bekannt ist wie sein großer Bruder in Sichtweite. Denn das Gefühl hier oben erspürt man am besten im Stillen.
Auf dem Rückweg dürfen wir uns noch kurz vorm Ende auf ein ganz besonderes Naturdenkmal freuen -
das Krausbäumchen:
Beim Krausbäumchen handelt sich um eine seltene Süntel-Buche.
Die Seltenheit des Baumes war seit Anfang des 20. Jahrhunderts deutlich geworden. Bereits 1902 fanden erste Pflegemaßnahmen durch den Taunusclub statt. Am 30. Juli 1937 wurde der Baum zum Naturdenkmal erklärt. In der Nacht vom 27. auf den 28. März 1966 wurde er jedoch durch eine Sturmböe gefällt. Das heutige Krausbäumchen ist ein Ableger des damaligen Baumes.
Die Krausbäumchenschneise ist nach dem Naturdenkmal benannt.
Du solltest unbedingt eine Rast einplanen - im Sommer kann man wunderschön unter dem Blätterdach sitzen. Es liegt übrigens auf der linken Seite, wenn man vom Bleibeskopf kommt. Ein bisschen aufpassen, damit man es nicht verpasst.
Wie kommt man zur Tour
Ideal ist eine Wanderung ab dem Forellengut, welches man direkt jedoch nur mit dem Auto erreicht. Am Forellengut gibt es einen Wanderparkplatz. Das Forellengut schreibt Folgendes auf seiner Website:
„Bitte geben Sie nicht "Forellengut" als Suchbegriff ein ! Mehrere Navigationssysteme zeigen unseren Standort leider falsch an. Geben Sie als Zieladresse ein: "Obeliskenschneise, Bad Homburg vor der Höhe" (im Oberurseler Ortsteil Oberstedten). Dort angekommen folgen Sie der Beschilderung zum "Forellengut". So klappt es ganz leicht.“
Wie man in Verbindung mit einer kleinen Wanderung auch per ÖPNV zum Forellengut kommt, steht sehr gut verdeutlicht auch auf der Website, nämlich hier:
https://www.forellengut-herzberger.de/radfahrer-wanderer
Ab Forellengut gelingt der Aufstieg zum Gipfel sehr angenehm und ohne besonderes Können. Wanderschuhe sollten es allerdings sein.
Zurück geht es dann noch am Krausbäumchen vorbei (siehe oben).
Grundsätzlich kannst du der Wildschwein (Keiler)- Route folgen. Sie umrundet den Bleibeskopf allerdings nur – und den Weg auf den Gipfel willst du ja sicher unbedingt mitnehmen. Dafür musst du aber einfach kurz auf die Höhe nach links abbiegen und später wieder dem ausgezeichneten Weg folgen. Also kein Problem. Unter meinem Komoot-Account findest du die Tour mit dem kurzen Gipfelabzweig.
Wenn du die Bilder anklickst, findest du noch manchen Hinweis im Untertitel. Viel Spaß beim Lesen und Nachwandern.
