Der bewaldete Judenkopf in der Gemarkung Lorsbach ist mit 410 m ü. NHN der höchste Berg von Hofheim am Taunus. Er gehört zum Vordertaunus.
Durch seine dichte Bewaldung ist der Judenkopf kein klassischer Aussichtsberg und es führen auch keine ausgeschilderten Wanderwege über seinen Gipfel. So bleibt er meist unentdeckt links (oder auch mal rechts) liegen. Viel zu schade, wie ich finde. Es sind nur einige Meter leichten Anstieges und schon ist man oben auf dem Gipfel. Dieser ist nicht zu verfehlen, denn er wird von gleich zwei Steinen gekennzeichnet: einmal durch einen Granitpfeiler eines Trigonometrischen Punktes und ein rechteckig behauener historischer (Forst?)-Markierungsstein mit drei eingehauenen Linien.
Das „TP“ am Pfeiler zeigt übrigens die Himmelsrichtung an – dort, wo die Buchstaben eingraviert sind, ist Süden. Rund um den Markierungsstein liegt schon ewig ein Steinkreis. Ich nehme an, dass dieser von den hier vorbeikommenden Wanderern immer mal erweitert oder ausgebessert wird.
Es gibt noch einen Baumstumpf als Sitzplatz – und schon ist der perfekte „Gipfelrastplatz“ bereit 😊.
Ach, wie ich es mag. Ich glaube, hier ist mir noch nie jemand begegnet. Absolute Ruhe. Der nahe Fichtenwald bietet gute Versteckmöglichkeiten fürs Wild.
Und deshalb eine riesige Bitte an die sportlichen Radler – bitte hier nicht drüber radeln. Der Weg ist nur ein kleiner Pfad. Bitte schützt diesen Pfad und stört die Tiere nicht. Einfach mal das Radl schieben. DANKE.
Und natürlich gilt auch für die Wanderer hier absolute Ruhe und Naturschutz, damit wir uns und vor allem den Tieren dieses kleine Paradies behalten.
Ganz in der Nähe am „Gipfelplateau“ entdecke ich einen Baum mit merkwürdigen Pilzen. Zu Hause finde ich dann die Erklärung. Es handelt sich um den Gemeinen Spaltblättling.
Dieser Meister der Anpassung (siehe unten) wächst ganzjährig an Totholz. Bei Trockenheit schließt er seine „Kiemen“, um den Pilz vor zu starker Austrocknung zu schützen. Bei länger anhaltender Trockenheit wird der Spaltblättling hart und fällt in eine Art Ruhestarre. Bei einsetzender Feuchtigkeit werden die Fruchtkörper dann wieder elastisch, die Lamellen öffnen sich, um die Sporen zu verbreiten.
Der Name „Judenkopf“
Über die Herkunft des Namens darf gerätselt werden. Es gibt mehrere Berge mit der Bezeichnung „Judenkopf“, so zum Beispiel auch im Hintertaunus bei Schmitten oder sogar die Mehrzahl „Judenköpfe“ in den Mieminger Bergen. Doch woher kommt der Name nun? Genau weiß man es nicht. Man vermutet historische Besitztürme, alte Kraftorte oder vielleicht sogar Friedhöfe der Juden an solchen Orten.
Zumindest mit der näheren Vergangenheit haben die Namen nichts zu tun. „Unser“ Judenkopf wurde bereits im (Eppsteiner) Salbuch ( ein Verzeichnis über Besitzrechte) aus dem Jahre 1592 beschrieben:
„In diesem Wald hats Berge und Grunde oder Graben, die ihren unterschiedlichen Namen haben als nemblich das Juden Köpfle, der Heuselsbusch, der Wallpersgraben, das Amselthal, der Rieddelberg und dergleichen“ (Quelle: „Die Gemarkung Lorsbach“ vom Heimat- und Geschichtsverein Lorsbach S. 123).
Die Aussicht
Der Berg ist bewaldet und somit hat man keine Fernblicke. Doch auf dem Rückweg kannst du bei klarer Sicht bis zur Frankfurter Skyline schauen.
Wenn du am Ende wieder am Bahá'í – Tempel angekommen bist, wirst du zu Sonnenuntergangszeiten mit einem wundervollen Lichtspiel beschenkt. Nimm auf einer der Bänke an der Sternwarte Platz und genieße die letzten Sonnenstrahlen in deinem Gesicht.
Wie kommt man hin . . .
Viele Wege führen zum Judenkopf. Man kann zum Beispiel von Bremthal aus hinlaufen – siehe hierzu auch meine Beschreibung vom „Grauen Stein“.
Ich bin von Langenhain aus hingewandert. In Langenhain bietet sich der Wanderparkplatz an der Sternwarte an („Domherrenwald“, immer der Eppsteiner Straße folgen bis zum Parkplatz am Waldrand).
Mit dem ÖPNV kommst du mit dem Bus aus Hofheim gut nach Langenhain. Auch zu Fuß nimmst du die Eppsteiner Straße bis zum Wald.
Am Wanderparkplatz findest du eine schöne Wegeübersicht. Und auch einen QR-Code für die herrliche Rundwanderung des TV Lorsbach. Von hier aus geht es erst ins Tal nach Lorsbach und dann wieder nach Langenhain hinauf.
https://tvlorsbach.de/beschilderte-laufstrecke/
Was man noch anschauen sollte
Natürlich den Bahá'í – Tempel. Hierzu habe ich hier einmal etwas geschrieben. Und er ist wirklich auch nach der schönen Wanderung einen Besuch wert.
Die Sternwarte ist natürlich auch toll – nur wird sie wahrscheinlich nicht geöffnet haben – oder du planst deine Wanderung mit einem anschließenden Blick in die Sterne. Hier auf der Website stehen die Öffnungszeiten: https://www.sternwarte-hofheim.de/
Diese können je nach Wetterlage jedoch schwanken oder sich kurzfristig ändern. Außen an der Sternwarte sind große Infotafeln angebracht. Also auch bei geschlossenen Türen kannst du etwas erfahren.
Für die Untertitel die Bilder anklicken
Kleine gemütliche Wanderung zum Judenkopf ab Langenhain
Gemeiner Spaltblättling (Schizophyllum commune) – ein Meister der Anpassung
Der Gemeine Spaltblättling ist einer der faszinierendsten und zugleich häufigsten Holzbewohner überhaupt. Man findet ihn überall auf der Welt – nur nicht in der Arktis. Er wächst an totem Laubholz, meist Buchen. Trotz seines unscheinbaren Erscheinungsbildes gehört er zu den bemerkenswertesten Pilzen unserer Wälder.
Erscheinungsbild
Die Oberseite der Fruchtkörper ist weißlich bis grau, filzig behaart und zottelig. Besonders charakteristisch ist jedoch die Unterseite: Statt klarer Lamellen zeigt der Spaltblättling scheinbar „gespaltene Kiemen“ – daher sein Name.
Das Geheimnis der „gespaltenen Kiemen“
Was auf den ersten Blick wie normale Lamellen aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als raffinierte Konstruktion. Jede einzelne Lamelle ist längs in der Mitte geteilt. Diese Spaltung ist kein Zufall, sondern eine hochentwickelte Anpassung an wechselnde Umweltbedingungen.
Bei Trockenheit rollt sich die Oberseite des Pilzes nach unten und die beiden Hälften einer Lamelle nach innen. Dadurch werden die sporenbildenden Flächen komplett geschützt – der Pilz „schließt“ gewissermaßen seine Kiemen. Sobald es feucht wird, entfalten sich die Lamellen wieder und geben die Sporen frei.
Diese Fähigkeit, Trockenphasen zu überstehen und bei Feuchtigkeit sofort wieder aktiv zu werden, macht den Spaltblättling extrem widerstandsfähig. Selbst vollständig ausgetrocknete Fruchtkörper können nach einem Regenschauer wieder aufleben und weiter sporulieren.
Lebensweise
Der Gemeine Spaltblättling ist ein Saprobiont. Das bedeutet, er ernährt sich von abgestorbenem Holz und trägt maßgeblich zum Abbau von Zellulose und Lignin bei. Damit spielt er eine wichtige Rolle im Nährstoffkreislauf des Waldes.
Er erscheint ganzjährig und ist in Mitteleuropa einer der häufigsten holzbewohnenden Pilze überhaupt. Durch seine Anspruchslosigkeit wächst er sogar an ungewöhnlichen Standorten – etwa an Bauholz oder in städtischen Bereichen.
Wissenswertes
Er zählt zu den weltweit am weitesten verbreiteten Pilzarten.
Die Art ist genetisch außergewöhnlich vielfältig (mit Tausenden möglicher Paarungstypen).
Seine Fähigkeit zur Wiederbelebung nach Trockenheit macht ihn zu einem Modellorganismus in der Mykologie.
Man sollte übrigens nicht an ihm schnuppern: Es handelt sich um einen pathogenen Pilz, der als Ursache für eine Reihe von
Atemwegserkrankungen beim Menschen identifiziert wurde. Seine Sporen sollen sogar auf und in Menschen gekeimt und Myzel produziert haben!
Fazit:
Der Gemeine Spaltblättling mag klein und unscheinbar wirken, doch seine gespaltenen „Kiemen“ sind ein Meisterwerk der Anpassung. Wer ihn einmal bewusst betrachtet, entdeckt in ihm ein erstaunliches Beispiel dafür, wie raffiniert selbst die scheinbar gewöhnlichsten Waldbewohner konstruiert sind.
